Aaron Ritschard

Betongold

Plakat-Reihe zum Thema: Wem gehört das Quartier?

Wohnungsnot und Verdrängung ist ein global auftretendes Problem, welches in den Städten vor allem Menschen mit geringem Einkommen zu schaffen macht. Eine wichtige Ursache: Immobilien sind zu einem beliebten finanziellen Anlageobjekt geworden, was zu immer teurerem Wohnraum führt. Der Verein Stadt für Alle engagiert sich in Basel gegen die Verdrängung von Mieter:innen aus ihren Wohnungen. Akribisch recherchieren sie die Eigentumsdaten von allen Häusern in der Stadt aus verschiedenen öffentlich zugänglichen Quellen, zum Beispiel dem Grundbuch. Mit der Plakatreihe Betongold wird unter die Lupe genommen, wem die Häuser und Wohnungen in den verschiedenen Quartieren gehören und wer für die Verdrängung verantwortlich ist. Im Auftrag des Vereins habe ich das dritte und vierte Plakat der Reihe zu den Quartieren Matthäus und Gundeli konzeptuell begleitet und gestaltet. Ein fünftes Plakat zum St. Johann Quartier befindet sich in Planung.

Betongold Matthäus VorderseiteBetongold Gundeli Vorderseite

Über die Plakatserie

An der Plakatreihe waren bereits mehrere Gestalter:innen beteiligt. Deswegen ist das visuelle Konzept organisch gewachsen und wurde von mir weiterentwickelt. Was sich durchzieht: Eine Vorderseite mit Karte und einer Einführung in die Kategorien der Eigentümer:innen. Eine Rückseite mit mehr Kontextwissen in Form von Texten und Diagrammen. Jede Ausgabe hat eine neue helle Hintergrundfarbe und eine eigene Schriftart. Der statistische Jahresvergleich der Eigentumsverhältnisse mit 1960 und das Ranking der Top 10 Eigentümer:innen sind Elemente, die über alle Ausgaben erhalten wurden. Was sich in allen Stadtteilen zeigt: institutionelle Investor:innen übernehmen immer mehr Liegenschaften auf Kosten von privaten Eigentümer:innen, die selbst in ihrem Haus wohnen.

Betongold Matthäus VorderseiteBetongold Matthäus Rückseite

Plakat Matthäus, 2024

Auf der Karte wird jedes Gebäude entsprechend ihrer Eigentumskategorie eingefärbt. Jede Eigentumskategorie wird mit einem kurzen Text beschrieben und ihr Anteil an allen Wohnungen prominent mit Kreisen dargestellt. Jede Kategorie wird zudem anhand eines konkreten Gebäude-Beispiels mit Foto und Eckdaten dargestellt und auf der Karte verortet. So erhält man einen realen Bezug zwischen abstrakter Karte und konkreten einzelnen Gebäuden. Die Rückseite des Plakats ist dem Fokusthema «Massenkündigungen» gewidmet. Alle Massenkündigungen der letzten 10 Jahre werden auf einer zusätzlichen Karte dargestellt und die verantwortlichen Eigentümer:innen – allesamt institutionelle Investor:innen – sichtbar gemacht.

Betongold Gundeli VorderseiteBetongold Gundeli Rückseite

Plakat Gundeli, 2025

Beim neusten Plakat wurde alles dran gesetzt die wichtigsten Schlüsselinformationen auf der Vorderseite zu versammeln. Wie entwickelten sich die Eigentumsverhältnisse im Quartier und was kann ich dagegen tun? Auf der Rückseite wurde dafür ein mehr editorialer Ansatz gewählt, wo zum Hauptthema «Wohnschutz» drei Fallbeispiele gezeigt wurden, welche als «Schlupflöcher» die Umgehung der Gesetze ermöglichen.

Betongold Matthäus Verteilung im Quartier

Verteilung an die Quartierbevölkerung

Das gedruckte und gefaltete Plakat wurde von Vereinsmitgliedern in alle Briefkästen im Stadtteil verteilt, denn es richtet sich an alle Bewohner:innen und Hausbesitzer:innen im Quartier. Es sensibilisiert die Mieter:innen für die Gefahren der aktuellen Entwicklung und konfrontiert Hauseigentümer:innen mit ihrer Verantwortung. Sie sollen sich die Frage stellen, an welche Käufer:innen ein Haus verkauft werden kann ohne die aktuellen Bewohner:innen der Gefahr der Verdrängung auszusetzen. Das Falt-Plakat kann einerseits wie eine Broschüre gelesen werden, entfaltet als an der Wand hängende Stadtteil-Karte aber auch eine identitätsstiftende Qualität für die Quartierbewohner:innen.

Vorbild für andere Städte

Das Plakat wurde mit einer Creative Commons Lizenz veröffentlicht und kann so auch von Bewegungen in anderen Städten aufgegriffen und weiterverwendet werden und versteht sich dadurch als Beitrag gegen Verdrängung über Basel hinaus.